50 Jahre IT

1979: Entwickler-Arbeitsplatz

Von der Lochkarte zum Entwickler-Arbeitsplatz am PC

Programmierer benötigten anfangs der 70-er Jahre vor allem Genauigkeit und Geduld. Die Programme wurden auf Codierblättern geschrieben und von einer Locherin auf Lochkarten gestanzt. Dann wurden die Programme mit Compilern in eine Maschinensprache übersetzt. Wenn sie formal fehlerfrei waren, konnten sie nach cirka einer Woche auf die Erfüllung der Aufgabenstellung getestet werden. Maschinenzeit war rar und teuer,  der Arbeitsablauf war lang und das Verfahren fehleranfällig. Viele Probleme stellten sich daher erst im Echtbetrieb heraus und stellten das Operating in den Rechenzentren vor große Herausforderungen. Rückblickend grenzt es für mich an ein Wunder, dass es überhaupt irgendwie funktioniert hat.

Um das Verfahren abzukürzen, war es möglich von 0:00 bis 10:00 die freie Maschinenkapazität in den Bundesländer-Rechenzentren zu nutzen. Ich erstellte die Programme in Wien im Closed- Shop – Betrieb und reiste damit zum Testen in eines der Bundesländer-Rechenzentren. So lernte ich Linz, Graz und Innsbruck  kennen. Ewig in Erinnerung ist mir eine Woche Spar-Testbetrieb in Graz. Der für die Abnahme verantwortliche Kollege Helmut Weber und ich fuhren gemeinsam in die schöne Steiermark. Ich testete in der  Nacht und hinterließ ihm die Ergebnisse zur Kontrolle. Helmut notierte die Fehler und ich korrigierte in der nächsten Nacht die Programme. So ging es die ganze Woche und erst beim Nachhause-Fahren haben wir uns wieder gesehen.  

Ein großer Rationalisierungsschritt war die Einführung des PET-Systems Ende der 70-er Jahre (Projektleiter Ing. Franz Redl). Textverarbeitung machte die Lochkarten überflüssig und Verbesserungen in der Testabwicklung das Testen in den Bundesländer-Rechenzentren zur Ausnahme. Nur bei der Abnahme von großen Programmpaketen wie z.B. des Girosystems und bei Umstellungen war die Anwesenheit der Programmierer in den Rechenzentren notwendig und erwünscht.     

Anfang der 90-er Jahre wurde der PC-Arbeitsplatz auch für die Entwickler eingeführt und das PET-System am PC installiert. Damit stand den Entwicklern ein vollwertiger PC-Arbeitsplatz samt Office und Internet zur Verfügung. Mit fair use war der Internet-Zugang auch für die private  Anwendung möglich. So konnte Mitte der 90-er Jahre auch die erste Version des Online-Bankings genutzt werden.  Mit Abfragen, Überweisungen und der Wertpapier-Abwicklung war Netbanking damals schon fast ident mit der heutigen GEORGE-Abwicklung.