Österreich 1945 bis heute

Bildung und Arbeit bis zur Jahrtausendwende

Bildung für alle

Der Geist der 70-er veränderte Österreich nachhaltig. Eine Bildungsoffensive  brachte berufsbildende höhere Schulen in alle Bezirksstädte und ermöglichte so eine höhere Schulbildung für alle. Mit Hauptschulen am Land  und Schulbussen  war die achtklassige Volkschule endgültig Geschichte. Die berufbildenden Höheren Schulen und die neu eingeführten Fachhochschulen waren mit iher praxisorientierte Ausbildung Motor für den Umbau einer Agrar- und Industriegesellschaft zu einer Wissensgesellschaft. Wer wollte, fand problemlos einen passenden Job und Arbeitslosigkeit war ein Randproblem. Mit dem freien Hochschulzugang  war die Klassengesellschaft endgültig Geschichte.  1971  hatten nur 2,8 % der Österreicher einen Hochschulabschluss, 50 Jahre später waren es mit 16,5% mehr als fünfmal so viele. Die Frauen haben bezüglich ihres Bildungsstandes deutlich aufgeholt. 1971 verfügten 70,4% der Frauen zwischen 25 und 64 Jahren lediglich einen Pflichtschulabschluss, 2019 waren es nur noch 20,0% (Quelle: Statistik Austria) .

Die Arbeitswelt ändert sich grundlegend

Nach dem Krieg war mehr als die Hälfte der österreichischen Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, heute sind es nur noch 3 Prozent. Dem gegenüber steht  eine enorme Steigerung der  Produktivität durch eine weitgehende Automatisierung. 1950 ernährte ein bäuerlicher Betrieb 4 Menschen, 1970 12, 1980 55 und heute 77  Menschen  (Daten der Landwirtschaftskammer), zur Jahrtausendwende lebten nur mehr Wenige von einer weitgehend automatisierten.  Landwirtschaft. Handwerk, Handel und Gastronomie waren früher kleinteilig organisiert. Es waren großteils Familienbetriebe, die das Leben in Stadt und Land prägten. Die meisten davon sind verschwunden und haben Supermärkten, Restaurantketten, Baumärkten und Möbelhäusern Platz gemacht. Der Einsatz von Computern  änderte die gesamte Arbeitswelt grundlegend. Die Entwicklungen in der Telekommunikation und im Internet schufen neue Arbeitsplätze und  führten zu Firmeneugründungen in der „New Economy“, von denen viele nach kurzer Zeit wieder verschwanden. Der Fall des Eisernen Vorhangs, der Zerfall Jugoslawiens und der EU-Beitritt brachte viele neue Arbeiskräftte. Viele Branchen (Gastronomie, Bau, Hauskrankenpflege, Erntehelfer …) würden heute ohne „Ausländer“ nicht mehr funktionieren. Der Anteil der Frauen am Erwerbsleben hat sich seit 1950 laufend erhöht und liegt mittlerweile bei 48 %.  Das Modell „der Mann ist Familienerhalter und die Frau für Kinder und Haushalt zuständig“ hat ausgedient und ist zunehmend einer Gleichberechtigung gewichen.