50 Jahre IT

Die 70-er: SPARDAT-Anwendungen

Buchungssystem

Die Verbuchung der Umsätze erfolgte in Stapel (Batch) –Verarbeitung. D. h. die gesammelten Umsätze und Änderungen wurden in einem Arbeitsgang vollständig und automatisch abgearbeitet. Die Daten wurden in der Sparkasse auf Lochstreifen erfasst und an das SPARDAT-Rechenzentrum übermittelt. Dies geschah für die Sparkasse am Ort des Rechenzentrums durch Übergabe und für die Sparkassen in der Region durch Versand mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Nach der Verarbeitung gingen Buchungsunterlagen und Kontoauszüge retour in die Sparkasse. Das hört sich nicht nur kompliziert an, sondern war auch in der Praxis eine extreme logistische Herausforderung, weil Buchungsschnitte und Verarbeitung auf die Fahrpläne der Verkehrsmittel abgestimmt werden mussten. Bei Problemen in der Verarbeitung trat ein ausgeklügelter Notfallplan in Kraft, damit Buchungsunterlagen und Kontoauszüge bis zum Betriebsbeginn in die Sparkasse ausgeliefert werden konnten.

Gebucht wurde auf Girokonten, Sparkonten und Darlehenskonten (ab 1975). Die Überführung in das interne Rechnungswesen (Hauptbuch) und der Kontoabschluss erfolgten vollautomatisch.

Ab 1970 für die Allgemeine Sparkasse Linz und die oberösterreichischen Sparkassen

Ein kleines Team entwickelte ein System für die Buchung von Giro-und Sparkonten.  Auf einer Bull-GE 415  startete im März 1970 die Buchung der Girokonten für die Allgemeine Sparkasse in Linz.

Eröffnung SPARDAT-RZ Linz
Im Bild: das SPARDAT-Rechenzentrum Linz mit dem Geschäftsführer Erwin Standl (Im Anzug) und dem Organisator Herbert Suntych (im weißen Hemd)

Ab 1971 für die Sparkassen in Niederösterreich, der Steiermark und in Tirol

Unter hohem Zeitdruck wurden im Projekt SUSY ab Herbst 1970 die Bull-GE-Programme auf das IBM-360-System umgestellt. Mit diesen Programmen  wurden im Herbst 1971 die Rechenzentren in Graz und Innsbruck eröffnet.

RZ-Eröffnung Dr. Benda
Im Bild: rechts  Geschäftsführer Dr. Peter Benda bei einer RZ-Eröffnung

Ab 1975 Darlehenssystem für die Allgemeine Sparkasse Linz

Als letzte Geschäftssparte wurde ab 1973 ein System für die Abwicklung von Hypothekardarlehen entwickelt und 1975 für die Allgemeine Sparkasse Linz erstmals eingesetzt. 

Ab 1976 für die Girozentrale und die Vorarlberger Sparkassen

1976 wurde nach umfangreichen Adaptierungen das Buchungssystem der Girozentrale und ihrer Buchungsgemeinschaft für die Vorarlberger Sparkassen auf das SPARDAT-Buchungssystem umgestellt. Damit war das ehrgeizige Ziel einer Buchungsgemeinschaft für die Girozentrale und die Sparkassen in Niederösterreich, in der Steiermark, in Oberösterreich, in Tirol und in Vorarlberg erreicht. Die beiden Wiener Großsparkassen (Erste Österreichische, Zentralsparkasse), die Salzburger Sparkassen, die Kärntner Sparkassen und die Sparkasse in Krems betrieben eigene Rechenzentren.

Kassensystem

Für die Abwicklung des Kassengeschäftes gab es unterschiedliche organisatorische Lösungen. Die Vereinheitlichung und Automatisierung erfolgte mit dem Terminalsystem PTS-6000. Damit wurden die Umsätze automatisch aufgezeichnet und mit Datenfernübertragung (DFÜ) an das Rechenzentrum übermittelt. Die Sparkassen ersparten sich so die Lochstreifen-Erfassung und die Rechenzentren das umständliche Lochstreifen-Handling. Im nächsten Entwicklungsschritt wurde das Kassensystem an das SPARDAT-Rechenzentrum angebunden. Damit konnten die Kontostände online abgefragt werden und eine Datenfernübertragung war nicht mehr notwendig.

Zahlungsverkehr

Zahlreiche technische und organisatorische Maßnahmen waren notwendig um das stark steigende Transaktionsvolumen zu bewältigen. Um einen reibungslosen Datenträgeraustausch zu ermöglichen wurden Datenträger-Formate österreichweit normiert. Die technische Umsetzung erfolgte dann in den einzelnen Kreditinstitutssektoren. Ebenfalls übersektoral wurde eine Scheckkarte lanciert, um das bargeldlose Zahlen in den Geschäften zu ermöglichen. Mit dem Ausdruck von Beleginformationen am Kontoauszug gelang es das  Belegvolumen zu reduzieren. Kontoauszüge wurden nicht mehr bei jeder Bewegung gedruckt, sondern nur mehr bei Beleganfall bzw. nach einer bestimmten Zeit. Mit einem Zahlungsverkehrs-Service wurden Kommerzkunden bei der Abwicklung des Zahlungsverkehrs unterstützt. Zur Rationalisierung der Belegverarbeitung wurde in der Girozentrale  ein Belegleser eingesetzt.

Individuelle Datenverarbeitung (IDV)

Mit der zentralen Datenspeicherung war es zum ersten Mail möglich, die Buchungsbestände für die Betriebssteuerung auszuwerten. Die Anforderungen waren durch die unterschiedlichen Organisationen sehr individuell. Das war die Geburtsstunde der individuellen Datenverarbeitung (IDV) und der erste Schritt zu „Big Data“.

Persönliche Erinnerungen von Zeitzeugen