50 Jahre IT

Sparkassengeschäft vor 50 Jahren

Eine Sparkasse anno dazumal

Kassensaal der Kommunalsparkasse Hernals - Mag. Palecny Hauptverband

Das Herz jeder Sparkasse war der große Kassensaal. An den Schaltern links und rechts wurde der Parteienverkehr abgewickelt und an der Stirnseite das Kassengeschäft. Im Bild der Kassensaal der Kommunalsparkasse Hernals – Mag. Palecny Hauptverband – evtl. Eersetzen durch Kassensaal Sparkasse St. Pölten.

Sparen = Spar(kassen)buch

Vor 200 Jahren wurde 1819 als erste Sparkasse der österreichischen Monarchie  in Wien-Leopoldstadt die Erste österreichische Spar-Casse, das Vorgängerinstitut der Erste Bank der österreichischen Sparkassen, gegründet. Mit dem Sparkassenbuch wurde  ein Instrument zur  Vermögensbildung der erwerbstätigen Bevölkerung geschaffen. 150 Jahre später im Jahr 1969 war das Sparkassenbuch nach wie vor die einfachste Möglichkeit, für Anschaffungen anzusparen. Bei täglich fälligen Geldern war der Zinssatz seit der Währungsreform unverändert 3,5 % ! Wer längerfristig vorsorgen wollte, konnte das Geld für eine bestimmte Zeit binden und musste bei vorzeitiger Behebung Vorschusszinsen zahlen. Zum regelmäßigen Ansparen gab es Prämiensparbücher und staatlich geförderte Bausparverträge.

1974 kam das seit mehr als 20 Jahren stabile Zinsniveau in Wanken. Der bis dato unveränderte Eckzinssatz von 3,5 % und die darauf aufbauenden Zinssätze für gebundene Spareinlagen wurden erhöht. Mit Sparbriefen wurde eine anleiheähnliche Sparform geschaffen – in einer Rückzahlungstabelle war der Auszahlungswert ersichtlich. Zum regelmäßigen Ansparen gab es nach wie vor die  Prämiensparbücher der Sparkassen. Das Bausparen erlebte durch attrakive staatliche Prämien und einen effizienen Vertriebsapparat einen regelrechten Boom.

Gehalte- und Pensionskonten

Bis in die 1960-er Jahre waren Girokonten den  Kommerzkunden vorbehalten. Ab 1965 war bei verschiedenen Firmen und Pensionsversicherungsträgern möglich,  Gehälter und Pensionen auf ein Konto überweisen zu lassen.  Die 70-er Jahre waren geprägt von einer explosionsartigen Zunahme der Gehalte- und Pensionskonten. Vor allem größere Firmen und die Pensionsversicherungen drängten ihre Mitarbeiter bzw. die Pensionsempfänger zur Eröffnung eines Girokontos. Die Firmen und die Pensionsversicherungen ersparten sich so die aufwändige Gehalts- und Pensionszahlung im Bargeld-Kuvert. Angestellte und Pensionisten konnten damit ihre Zahlungen unbar abwickeln, Daueraufträge eröffnen und Lastschriftseinzüge ermöglichen.

Zahlungen

Der unbare Zahlungsverkehr war Anfang der 70-er auf ein Minimum beschränkt. Mit Bargeld wurden die Rechnungen bar bezahlt, auf Sparkonten eingezahlt, Kreditraten getilgt und für einen Auslandsurlaub in Fremdwährungen umgetauscht. Gas- und Stromkassiere besorgten das Inkasso der verbrauchten Energie. Diners Club und American Express führten Kreditkarten ein. Sie waren einer kleinen Oberschicht vorbehalten und verschafften dem Besitzer Exklusivität.
Nach der Einführung der Eurocheque -Karte konnte man mit Schecks bargeldlos einkaufen und Geld beheben. Mit der Umstellung auf Gehalte- und Pensionskonten nahm dann der unbare Zahlungsverkehr rapid zu.

Kredite und Darlehen

Mit einem Überziehungsrahmen auf das Gehaltekonto konnte das Konto unbürokratisch bis zu einem bestimmten Betrag überzogen werden. Damit  war es einfach, kleinere Anschaffungen ohne Kreditantrag zu tätigen. Für größere Anschaffungen gab es nach wie vor den Ratenkredit. Diese wurden zunehmend von Teilzahlungsbanken  abgewickelt. Die Finanzierung eines Wohnungskaufs oder eines Hausbaus erfolgte über ein langfristiges Hypothekardarlehen.

Wertpapiere

Privatkunden besaßen praktisch keine Aktien und nur wenige Anleihen. Die verbriefte Anleihe wurde meistens zu Hause aufbewahrt, die Zinskupons ausgeschnitten und bei der Sparkasse eingelöst. Die Verwahrung der Wertpapiere in einem Bank-Depot brachte Komfort und Sicherheit, war aber ein absolutes Minderheitenprogramm.