Alle Artikel mit dem Schlagwort: 50 Jahre Sparkassenautomation

Zeitzeugen 60-er: Buchungssystem Girozentrale Walter Domandl

Die Anfänge Als ich im August 1962 in die Devisenabteilung der Girozentrale eintrat, war der heute so gängige Begriff IT noch völlig unbekannt. Das magere Gehalt von weniger als 1.500 Schilling gab’s am Monatsersten vom Abteilungsleiter im Lohnsackerl überreicht. Ein Gehaltskonto gab es noch nicht. Meine erster indirekter Berührungspunkt mit der EDV (Abkürzung für Elektronische DatenVerarbeitung) waren im Jahr 1963 Abendeinsätze mit höchst willkommenen bezahlten Überstunden zwecks Fehlersuche im Zuge der EDV-Umstellung der sBausparkasse. Etwa zu dieser Zeit begannen auch die Aktivitäten zur Automation des Rechnungswesens der Girozentrale, was mein Interesse weckte und dazu führte, dass ich mich erfolgreich um eine Stelle in der EDV-Organisation der Girozentrale bewarb, wo neben EDV-lösungen für die Girozentrale auch solche für Sparkassen konzipiert und erstmals in der Sparkasse Tulln, dann auch in einigen weiteren Instituten in Niederösterreich und Vorarlberg, zuerst für den Sparverkehr, dann auch für das Girobuchungssystem eingesetzt wurden. Das System war lochkartenbasiert und die Datenverarbeitung erfolgte mit IBM-Computern vom Typ 1401 ergänzt durch Lochkartensortier- und  -mischmaschinen. Gegen Ende der 60er-Jahre hielt das IBM-System 360 im Rechenzentrum der …

Zeitzeugen 70-er: Zahlungsverkehr Walter Domandl

Giroautomation In den Jahren 1971/1972 wurde die Automation des Zahlungsverkehrs in Angriff genommen. Ziel war es den Datenerfassungsaufwand für Zahlungsverkehrsaufträge so weit als möglich zu reduzieren und möglichst weit an den Ursprung, idealerweise zum Kunden zu verlagern. Dieses Ziel ist bis heute nicht voll erreicht wenngleich Electronic Banking, die zunehmende Verwendung von Debit- und Kreditkarten sowie die Erfassungsmöglichkeit von Überweisungen an Selbstbedienungsautomaten dem schon ziemlich nahe kommen. Die ersten Automationsschritte im Zahlungsverkehr erfolgten auf zwei Schienen, nämlich einerseits dem Datenträgeraustausch und andererseits der maschinellen Beleglesung. Datenträgeraustausch Der Datenträgeraustausch begann mit Großanwendern wie Pensionsversicherungen oder Energieversorgungsunternehmen, die ihre Überweisungs- bzw. Einziehungsaufträge mittels Datenträgern in Form von maschinell lesbaren Magnetbänderen an die Banken lieferten.  Anfangs mangelte es noch an der Standardisierung der Datenformate, doch diese wurde so wie auch die Standardsierung der Codierzeile auf Zahlungsbelegen zügig im Rahmen von übersektoralen Gremien vorgenommen und in den EDV-Abteilungen der Kreditinstitute umgesetzt.Dadurch ergab sich auch bald die Möglichkeit des wechelseitigen Datenträgeraustausches zwischen den Bankinstituten, vor allem den jeweiligen Clearingstellen der einzelnen Sektoren. Das war auch eine der Keimzellen für den …

Zeitzeuge Kassensystem in den 70-ern: Walter Domandl

EDESYS – Einheitliches DatenErfassungsSYstem In den Anfangsjahren der Buchungsgemeinschaft – sieht man von den Maßnahmen im Bereich der Zahlungsverkehrsautomation ab – erfolgte die Erfassung aller für die Kontenführung relevanten Daten mittels Codierung auf Lochkarten bzw.  Lochstreifen mit täglicher Anlieferung derselben an das Rechenzentrum. Bald reifte die Erkenntnis, dass wesentliche Rationalisierungserfolge durch Direkterfassung und Speicherung von Kassentransaktionen an den Schaltern der Sparkassen erzielt werden könnten. Auch auf diesem Gebiet waren die Entwicklungen in Skandinavien beispielgebend. Nicht nur Banken und Sparkassen, sondern auch die einschlägige Industrie erkannte dieses Potential und bot bereits in der ersten Hälfte der 70er-Jahre dafür geeignete Geräte an, auch wenn diese zum Teil noch in den „Kinderschuhen“ steckten. In den Jahren 1973/1974 wurde in enger Zusammenarbeit zwischen SPARDAT und Sparkassen ein entsprechendes Vorhaben unter dem Projektnamen EDESYS umgesetzt. Das Zeitalter des Personal Computer und damit einer heute nicht mehr wegzudenkenden Standardisierung lag damals noch etliche Jahre vor uns und die in die engere Wahl gezogenen Anbieter offerierten sehr individuelle Lösungen. Die Firma Philips mit ihrem System PTS6000 wurde in einem gründlichen Auswahl- und …

Zeitzeuge Sparkassen-Mitarbeiter 1966 – 1969: Franz ANGELO Gruber

Franz ANGELO Gruber Von 1966 bis 1969 Sparkasse in der Stadt St. Pölten: Giro-Abteilung, Filialen Kirchberg an der Pielach und Wilhelmsburg Sparkassen–Laufbahn in den 1960´ern Die Laufbahn als Sparkassen-Mitarbeiter war einer Beamten-Laufbahn nicht unähnlich und hatte in der Öffentlichkeit ein gutes Standig. Es gab eine strenge Hierarchie mit einem Direktor und darunter die Abteilungen und Zweigstellen. Wer Matura hatte, wurde im Kundenverkehr eingesetzt und konnte nach Ablegen von Sparkassen-Prüfungen im Gehaltsschema und in der Position aufsteigen. In der Buchhaltung waren ausschließlich Handelsschülerinnen beschäftigt. Giro-Abteilung 1966 – 1967 Die Giro-Abteilung war im großen Kassensaal der Sparkasse mit Blick auf den St. Pöltner Dom untergebracht. Auf der Stirnseite befand sich die Hauptkasse und seitlich die Spar-, Kredit und Giro-Abteilungen. Die Überweisungsbelege wurden am Schalter entgegen genommen, bestätigt und danach am Giro-Schalter nach den Zahlungsverkehrswegen sortiert. Aus den so vorsortieren Belegen wurden dann in der Buchhaltung Sammelbelege erstellt und gemeinsam mit den Belegen an die Korrespondenzbanken (Girozentrale und Banken vor Ort) geschickt. In großen Kontentrögen waren die Kontoblätter untergebracht. Abbuchungen und Überweisungen wurden disponiert und für die tägliche …

Zeitzeuge Buchungssystem in den 70-ern: Franz ANGELO Gruber

Franz ANGELO Gruber Programmierer Buchungssystem SUSY, Projektleiter Darlehen, Teamleiter Programmierung zur Adaptierung des Girosystems für die Girozentrale (GIBSY), Teamleiter Buchungssystem. In Linz beginnts Nach einigen erfolglosen Versuchen erfüllte sich Anfang 1970 bei der SPARDAT (Sparkassen-Datendienst) mein Traumberuf Programmierer. Die Voraussetzungen dafür waren ein erfolgreicher Programmierer-Test, Sparkassenpraxis war von Vorteil. Fundierte Ausbildung gab es keine und nach Schnellsiedekursen in einer maschinennahen Programmiersprache und in der höheren Programmiersprache COBOL ging es zur Sache. Programmieren war in den 70-ern ein mühsamer Prozess. Das Programm wurde auf Codierblätter geschrieben, dann wurden von der Locherin die Lochkarten erstellt und vom Programmierer in das Rechenzentrum geschickt. Zurück kam eine Liste und mit Glück die Bestätigung, dass das Programm lauffähig ist. Danach wurde mit Testfällen die Funktionstüchtigkeit verifiziert. War diese gegeben, ging es ab in den Echtbetrieb. Die wirklichen Probleme stellten sich oft erst in der Praxis heraus. Rückblickend ist es für mich ein Wunder, dass es trotzdem immer irgendwie funktioniert hat Wegen der bevorstehenden Eröffnung des Rechenzentrums in den Räumen der Allgemeinen Sparkasse in Linz war das bunt zusammengewürfelte fünfköpfige Programmierteam …

Die 70-er: SPARDAT-Anwendungen

Buchungssystem Die Verbuchung der Umsätze erfolgte in Stapel(Batch) –Verarbeitung. D. h. die gesammelten Umsätze und Änderungen wurden in einem Arbeitsgang vollständig und automatisch abgearbeitet. Die Daten wurden in der Sparkasse auf Lochstreifen erfasst und an das SPARDAT-Rechenzentrum übermittelt. Dies geschah für die Sparkasse am Ort des Rechenzentrums durch Übergabe und für die Sparkassen in der Region durch Versand mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Nach der Verarbeitung gingen Buchungsunterlagen und Kontoauszüge am selben Weg retour in die Sparkasse. Das hört sich nicht nur kompliziert an, sondern war auch in der Praxis eine extreme logistische Herausforderung, weil Buchungsschnitte und Verarbeitung auf die Fahrpläne der Verkehrsmittel abgestimmt werden mussten. Bei Problemen in der Verarbeitung trat ein ausgeklügelter Notfallplan in Kraft, damit Buchungsunterlagen und Kontoauszüge bis zum Betriebsbeginn in die Sparkasse ausgeliefert werden konnten. Gebucht wurde auf Girokonten, Sparkonten und Darlehenskonten (ab 1975). Die Überführung in das interne Rechnungswesen (Hauptbuch) und der Kontoabschluss erfolgten vollautomatisch. Ab 1970 für die Allgemeine Sparkasse Linz und die oberösterreichischen Sparkassen Auf einer Bull-GE 415  startete im März 1970 die Buchung der Girokonten für die Allgemeine …

Die 70-er: Privatkundengeschäft

Gehalts- und Pensionskonten Die 70-er Jahre waren geprägt von einer explosionsartigen Zunahme der Gehalts- und Pensionskonten. Vor allem größere Firmen und die Pensionsversicherungen drängten ihre Mitarbeiter bzw. die Pensionsempfänger zur Eröffnung eines Girokontos. Die Firmen und die Pensionsversicherungen ersparten sich so die aufwändige Gehalts- und Pensionszahlung im Bargeld-Kuvert. Angestellte und Pensionisten konnten damit ihre Zahlungen unbar abwickeln, Daueraufträge eröffnen und Lastschriftseinzüge ermöglichen. Zahlungen Zahlungen wurden zunehmend unbar vom Konto abgebucht. Daueraufträge und Einzugsaufträge erleichterten die Evidenzhaltung und Abwicklung von wiederkehrenden Zahlungen. Wer eine Scheckkarte besaß, konnte mit Schecks bargeldlos einkaufen. Der Großteil der Zahlungen wurde jedoch nach wie vor mit Bargeld abgewickelt. Sparen 1974 kam das seit mehr als 20 Jahren stabile Zinsniveau in Wanken. Der bis dato unveränderte Eckzinssatz von 3,5 % und die darauf aufbauenden Zinssätze für gebundene Spareinlagen wurden erhöht. Mit Sparbriefen wurde eine anleiheähnliche Sparform geschaffen – in einer Rückzahlungstabelle war der Auszahlungswert ersichtlich. Zum regelmäßigen Ansparen gab es nach wie vor die  Prämiensparbücher der Sparkassen. Das Bausparen erlebte durch attrakive staatliche Prämien und einen effizienen Vertriebsapparat gab es einen regelrechten …

Die 60-er: Automationsunterstützung

Buchungssystem Die angefallenen Transaktionen der Sparkonten, der Girokonten (Firmenkonten, Gehalte/Pensionskonten), der Kredite und Darlehen und des Hauptbuches mussten korrekt gebucht und für die Zinsenberechnung zum Jahresabschluss vorgemerkt werden. Zusätzlich wurden bei Girokonten für den Kontoinhaber Kontoauszüge erstellt. Diese aufwändigen Tätigkeiten erfordertes genaues Personal und eine bestmögliche Automationsunterstützung. Jede der 170 Sparkassen hatte dazu ihr eigenes System. Zur Automationsunterstützung gab es schreibmaschinenähnliche Buchungsmaschinen Magnetkonten – Computer ab Mitte der 60-er Hier wurden bereits Daten wie Saldovorträge auf einem Magnetstreifen gespeichert. Damit reduzierten sich die Eingaben der Buchhaltung und der Kontoabschluss verlor seinen Schrecken. Magnet Magnetkonten – Computer waren hauptsächlich bei mittleren Sparkassen im Einsatz (z.B. bei der Sparkasse in der Stadt St. Pölten ab 1968) elektronische Datenverarbeitung (EDV) ab Mitte der 60-er Hier wurden die Daten zentral in einem Rechenzentrum verarbeitet und die Kontendaten auf elektronischen Medien (Magnetbänder, Magnetplatten gespeichert). Die Kontoauszugserstellung und der Jahresabschluss wurden vollautomatisch abgewickelt. Durch die hohen Kosten und die aufwändige Logistik kamen hier Großsparkassen in Frage. Ende der 1960-er Jahre war die EDV bei folgenden Sparkassen im Einsatz Girozentrale incl. kleiner …

Die 60-er: Privatkundengeschäft

Sparen = Spar(kassen)buch Vor 200 Jahren wurde 1819 als erste Sparkasse der österreichischen Monarchie  in Wien-Leopoldstadt die Erste österreichische Spar-Casse, das Vorgängerinstitut der Erste Bank der österreichischen Sparkassen, gegründet. Mit dem Sparkassenbuch wurde  ein Instrument zur  Vermögensbildung der erwerbstätigen Bevölkerung geschaffen. 150 Jahre später im Jahr 1969 war das Sparkassenbuch nach wie vor die einfachste Möglichkeit, für Anschaffungen anzusparen. Bei täglich fälligen Geldern war der Zinssatz seit der Währungsreform unverändert 3,5 % ! Wer längerfristig vorsorgen wollte, konnte das Geld für eine bestimmte Zeit binden und musste bei vorzeitiger Behebung Vorschusszinsen zahlen. Zum regelmäßigen Ansparen gab es Prämiensparbücher und staatlich geförderte Bausparverträge. Kredite und Darlehen Wenn das Ersparte nicht ausreichte, borgte man Geld von der Sparkasse und zahlte den Kredit in regelmäßigen Raten zurück. Für die Finanzierung eines Wohnungskaufs oder für den Hausbau wurde ein langfristiges Hypothekardarlehen aufgenommen. Zahlungen Gehälter und Pensionen wurden größtenteils bar ausgezahlt – Gehalte/Pensionskonten waren die Ausnahme (% der Zahlungen). Der unbare Zahlungsverkehr war auf ein Minimum beschränkt. Mit dem Bargeld wurden die Rechnungen bar bezahlt, auf Sparkonten eingezahlt; Kreditraten getilgt …

50 Jahre Sparkassenautomation

Inhaltsverzeichnis Anwendungen – Entwurf Die 60 – er: Anwendungen Privatkundengeschäft in den 60 – ern Automationsunterstützung in der 60 -ern Zeitzeugen 60-er: Buchungssytem Girozentrale Walter Domandl Die 70 -er: Anwendungen Privatkundengeschäft in den 70 – ern SPARDAT-Anwendungen in der 70 -ern Zeitzeugen 70 – er: Buchungssystem Franz ANGELO Gruber Zeitzeugen 70-er: Kassensystem Walter Domandl Zeitzeugen 70-er: Zahlungsverkehr: Walter Domandl