50 Jahre IT

Zeitzeuge Informationssystem in den 70-ern: Willi Markom

Organisation und Programmierung von Sparkassen-Informationssystemen,
Leitung der Systemprogrammierung, Sonderprojekte.

IDV – individuelle Datenverarbeitung

Die erste und dringendste Aufgabe der SPARDAT war die Automatisierung des Massengeschäftes der Sparkassen – die Führung von Spar-, Giro-, Darlehens- und Kreditkonten. Damit waren Unmengen von Daten erfasst und gespeichert. Bald kam dann die Idee, diese Daten für Planung und Analyse von Marketing-Aktionen zu nutzen. Die SPARDAT rief dazu die „INFO-Gruppe“ ins Leben. Deren Leiter, Rudi Zabusch, war ein eher legerer Typ – und genau so war auch seine Truppe, der auch ich angehören durfte. Bei den „Spartenkaisern“ waren wir bald, unverdienter Weise, die „Inferno-Gruppe“. Die Computer-Ressourcen für Tests und Durchführungen waren sehr knapp – und wir hatten immer Nachrang. Zuerst kamen immer die Systemleute und die „Spartenkaiser“ dran. Es gab häufig „gewaschene“ Konflikte.

Oft waren wir montags mit Abstürzen unserer Programme konfrontiert. Bei der Suche nach den Ursachen kamen wir bald darauf, dass unsere netten Kollegen, die „Spartenkaiser“, am Wochenende wieder einmal Dateistrukturen geändert hatten – natürlich ohne uns zu informieren. Wütend stapfte ich wieder einmal ins Obergeschoß und fand sie gerade alle vereint bei einer Besprechung. Auf meine Vorhalte hin meinte man trocken, eine derartige Information sei eine „Holschuld!“ Da platzte mir der Kragen. Ich ließ meinem Zorn freien Lauf und schimpfte, was das Zeug hielt. Es muss einen gewaltigen Eindruck gemacht haben, denn am nächsten Tag wurde mir das „Du-Wort“ angeboten. Plötzlich war ich akzeptiert und man ging etwas respektvoller mit uns um.

Für die Erstellung der Auswertungen standen uns anfangs neben den herkömmlichen Programmiersprachen COBOL oder RPG nur einige primitive Hilfsprogramme wie DITTO oder FILEPAC zur Verfügung. Der Bedarf an Auswertungen für Marketingzwecke stieg laufend und besonders bei Zinsanpassungen kamen wir den Anforderungen an „MAKOÄs“, den maschinellen Kontoänderungen, kaum nach. Mit CA-EARL als Werkzeug waren wir aber bald weitaus produktiver.

Bald tauchte in einigen Sparkassen das Wort „Kundenorientierung“ als Gegensatz zur „Spartenorientierung“ auf. Das griffen wir in der INFO-Gruppe auf und wollten den Sparkassen auch kundenorientierte Auswertungen anbieten. Das war aber nicht einfach, da die Strukturen der Spartendaten wild nebeneinander gewachsen waren. Schlüsselbegriffe waren Kontonummern – es gab keine Kundennummer. Anstelle von Namensfeldern gab es Kontobezeichnungen, in welchen Titel, Vor- und Zunamen in beliebiger Reihenfolge eingetragen waren. Um die Konten eines Kunden zusammenzuführen entwickelte ich ein Programm, welches aus den Spartendateien Teile des Vor- und Zunamens, der Anschrift, und, soweit vorhanden, des Geburtsdatums eine „Allgemeine Kundenidentifikation“, kurz „AKI“ erstellte. In unzähligen Testläufen verfeinerte ich diese Programme und konnte schließlich rund 90% der Konten korrekt einem Kunden zuordnen. Den Rest hätten die Sparkassen anhand von Listen zuordnen müssen. Was leider aus Desinteresse und Zeitmangel nie geschah! Meine schöne „AKI-Routine“ verstaubte so in irgendwelchen Programmbibliotheken. Viele Jahre später, ich war längst nicht mehr in der SPARDAT, erkannte man den Wert der „AKI“ endlich und ich wurde gefragt, wo denn das jetzt sei. Da konnte ich aber leider nicht mehr helfen.