50 Jahre IT

Zeitzeuge Kassensystem in den 70-ern: Walter Domandl

EDESYS – Einheitliches DatenErfassungsSYstem

In den Anfangsjahren der Buchungsgemeinschaft – sieht man von den Maßnahmen im Bereich der Zahlungsverkehrsautomation ab – erfolgte die Erfassung aller für die Kontenführung relevanten Daten mittels Codierung auf Lochkarten bzw.  Lochstreifen mit täglicher Anlieferung derselben an das Rechenzentrum. Bald reifte die Erkenntnis, dass wesentliche Rationalisierungserfolge durch Direkterfassung und Speicherung von Kassentransaktionen an den Schaltern der Sparkassen erzielt werden könnten. Auch auf diesem Gebiet waren die Entwicklungen in Skandinavien beispielgebend. Nicht nur Banken und Sparkassen, sondern auch die einschlägige Industrie erkannte dieses Potential und bot bereits in der ersten Hälfte der 70er-Jahre dafür geeignete Geräte an, auch wenn diese zum Teil noch in den „Kinderschuhen“ steckten.

In den Jahren 1973/1974 wurde in enger Zusammenarbeit zwischen SPARDAT und Sparkassen ein entsprechendes Vorhaben unter dem Projektnamen EDESYS umgesetzt. Das Zeitalter des Personal Computer und damit einer heute nicht mehr wegzudenkenden Standardisierung lag damals noch etliche Jahre vor uns und die in die engere Wahl gezogenen Anbieter offerierten sehr individuelle Lösungen. Die Firma Philips mit ihrem System PTS-6000 wurde in einem gründlichen Auswahl- und Entscheidungsprozess von einem Arbeitskreis mit namhaften Sparkassenvertretern als Bestbieter ausgewählt. Das System löste in den Sparkassen die damals üblichen Kassenquittungsmaschinen ab und zeichnete die erfassten Daten auf Magnetbandkassette auf. Die so beschriebenen Magnetbandkassetten wurden anstatt der bisherigen Lochstreifen täglich an das Rechenzentrum geliefert. Erstmals wurde für die Datenübermittlung an das Rechenzentrum auch Datenübertragung eingesetzt. Letzteres war ein sehr mühsames Unterfangen, da vor allem in der Anfangszeit sowohl die Stabilität der dafür verwendeten Telefonleitungen wie auch die Übertragungsgeschwindigkeit von ca. 600 bit pro Sekunde sehr zu wünschen übrigließen.
Anmerkung:
Heutige private Internetanschlüsse übertragen in Richtung Internet je nach vom Benutzer gewählter Anschlusskapazität mehrere Millionen Bits pro Sekunde

Das eingesetzte System war in seiner Grundkonzeption so ausgelegt, dass es in weiterer Folge auch als Online-Kassensystem und Online-Datenerfassungssystem eingesetzt werden konnte. Dies erfolgte Hand in Hand mit dem SPARDAT-Online-System CAROLINE, dessen Einsatz 1978 in der SPARDAT die Online-Ära für die Sparkassen einleitete. Mit fortschreitender Umstellung auf das Onlinesystem erübrigte sich auch der physische Transport der erfassten Daten mittels Magnetbandkassetten bzw. die Stapeldatenübertragung an das Rechenzentrum.