50 Jahre IT

Zeitzeugen 60-er: STUSA Konrad Ziegelwanger

Konrad Ziegelwanger

Der erste Programmierer und längstdienende SPARDAT-aner (1967 – 2012).

STUSA – Studiengesellschaft für Sparkassenautomation (1967)

Mit der Gründung eines Unternehmens in Vereinsform (!) hat der Österreichische Sparkassenverband 1967 einen ersten Schritt getan, um den vielen kleinen und mittleren Sparkassen Österreichs eine Perspektive für die Abwicklung des Buchungsgeschäftes über moderne EDV-Anlagen zu zeigen. Damals sprach man von „Elektronischer-Daten-Verarbeitung“, was ja in späteren Jahrzehnten vom Begriff der „Informations-Technologie“, der IT abgelöst worden ist.

Es war das Ziel der maßgebenden Sektorvertreter, mit Dkfm Walter Sadleder als Verbandspräsident an der Spitze, EDV-Buchungsgemeinschaften zu bilden, gemeinsame Rechenzentren zu nutzen, die Kosten dafür zu teilen. Beispiele gab es dafür bereits im Ausland, insbesonders in der BRD, die dort kurz zuvor gegründet worden sind. In Österreich gab es damals rund 150 selbständige Sparkassen, die alle erst überzeugt werden wollten, ihr Buchungsgeschäft außer Haus zu geben, in Sparkassen-Rechenzentren auszulagern. Wie sollte das denn überhaupt funktionieren?

Dieser Frage stellte sich die STUSA, die auch unter Mitwirkung der Ersten österreichischen Sparkasse gegründet worden ist. Von dort kam ein junger und tatkräftiger Mitarbeiter, Erwin Standl, der als Geschäftsführer der STUSA auch die ersten EDV-technischen Abläufe von dort einbrachte. Diese wurden von den ersten Mitarbeitern, die am Projekt „Klagenfurt“ mitmachten und adaptiert.

Zur damaligen Zeit hatten die beiden großen Sparkassen in Wien schon die ersten Computerinstallationen im eigenen Haus gemacht und konnten damit ihre vielen tausend Konten verwalten und deren Kontobewegungen abwickeln. Das Transaktionsaufkommen war damals noch nicht so hoch wie heute, aber immerhin so hoch, dass aufwändige Fehlersucharbeiten mit Hilfe der neuen Abläufe besser bewältigt werden konnten.

Alle anderen Sparkassen bedienten sich halbautomatischer Buchungsmaschinen, wo eine Bedienkraft eine Kontokarte einsteckte, die Kontobewegungen eintippte, was auf die Karte gedruckt wurde und wo eine Kontrollsumme mitlief. Die modernere Variante war dazu, dass ein Magnetstreifen auf der Kontokarte angebracht war, der den Vorgang durch die Lesbarkeit der Daten bereits etwas vereinfacht hat. Letztendlich blieb aber immer die Ungewissheit, ob die Eingaben fehlerfrei gemacht worden sind, was sich erst am Ende einer Grundbucheingabe (Summe aller Soll/Habenbuchungen) herausstellte. Etwaige Fehlersuchvorgänge waren meist zeitraubend, ein Buchungstag oft erst in der Nacht abgeschlossen. Die Situation war in den Buchhaltungen, insbesondere der Landeshauptstadtsparkassen, bereits damals recht angespannt. Man war bereit, moderne und zeitsparende Verfahren ins Auge zu fassen. Da kam die STUSA und kurz danach die SPARDAT zur rechten Zeit und trat mit konkreten Lösungsvorschlägen an die Institute heran.

Bei zwei Sparkassen war jedoch der Wunsch ehestmöglich zu einer EDV-Lösung zu kommen besonders ausgeprägt, nämlich in Salzburg und in Klagenfurt. Hier kam es zu Eigenlösungen mit dem Personal aus dem eigenen Haus und zur Einrichtung eines Rechenzentrums unter dem eigenen Dach. Jede der beiden eigenständigen EDV-Lösungen wurde erst viele Jahre später in die Buchungsgemeinschaftslösung der SPARDAT integriert. Für die Kärntner Sparkasse kam die Gründung der STUSA zu einem günstigen Zeitpunkt, denn die Aktivitäten konnten recht gut aufeinander abgestimmt werden. Bei der hardwaretechnischen Einrichtung des Rechenzentrums in Klagenfurt konnte die STUSA nichts beitragen, wohl aber bei der Herstellung der Software. Dies war auf beiden Seiten ein intensiver Lernprozess mit großem Gewinn an Erfahrungen. Mit Salzburg kam es zunächst zu keiner Kooperation.

Die restlichen Großinstitute konnten die Gründung der kommerziell ausgerichteten SPARDAT abwarten und die Buchungen ab 1970 in die neu errichteten SPARDAT-Rechenzentren in Linz, Graz und Innsbruck auslagern. Girozentrale, Bausparkasse, Vorarlberg, aber auch Salzburg waren besondere Eigenlösungen, die hier an anderer Stelle behandelt werden.

Einrichtung des Rechenzentrums in Klagenfurt (1968)

Die Leitung der Kärntner Sparkasse in Klagenfurt hat sich die Angebote der damals in Österreich vertretenen amerikanischen Computerfirmen angesehen und sich für eine erschwingliche Lösung von Sperry Rand UNIVAC 1100 entschieden. Dieser Computertyp hat im Preis/Leistungsverhältnis zu dieser Zeit gegenüber den Konkurrenzanbietern die Nase vorne gehabt, so saßen wir in Wien zum Beispiel mit Vertretern des SOS-Kinderdorfes in derselben Ausbildungsgruppe. Die in Wien niedergelassene Vertretung bot dazu die nötige Programmier- und Bedienungsschulung an. So wurden zwei Personen der Sparkasse und drei der STUSA dort über einige Wochen in der Art der damaligen Programmierung (Assembler-Programme) geschult und in praktischen Anwendungen für die weitere Laufbahn vorbereitet.

Der technische Umfang der EDV-Anlage Klagenfurt bestand aus einem Lochkartenleser zur Eingabe der Buchungsdaten, dem zentralen Rechner mit einem Kernspeicher und einigen Magnetbandstationen für die Kontoführung und einem Drucker zur Erstellung der Kontoauszüge und diverser Listen. Hier zeigte sich bald eine Hürde bei den Umsetzungsarbeiten: der Kernspeicher war zu klein ausgelegt, das Buchungsprogramm benötigte mehr Platz und so musste eine Aufstockung um 256 Kilobyte vorgenommen werden, was mit einer Viertelmillion Schilling ziemlich teuer war. Laut wikipedia waren Kernspeicher zwischen 1950 und 1980 in Verwendung und die manuelle Produktion ziemlich teuer.

Geplant, programmiert und getestet wurde von fünf Mitarbeitern der Sparkasse und der STUSA. Nach dem erfolgreichen Einsatz wurde das Tagesgeschäft für die Kärntner Sparkasse im hauseigenen Rechenzentrum abgewickelt. Es wurden schrittweise zuerst die Girokonten und danach die Sparkonten umgestellt. Im Zuge dieser wichtigen Pionierarbeit wurde auch deutlich, wo man künftig Handlungsbedarf haben wird: bei einer effizienten Schalterabwicklung zur Erfassung der Daten und im Backofficebereich, wo es zu einer immer größeren Anzahl von Überweisungstransaktionen kam. Eine Lochkartenabwicklung war hier nicht mehr gut genug.

Die EDV kam zur richtigen Zeit als Problemlösung, denn immer mehr Unternehmen und die Pensionsversicherungsträger hatten auf bargeldlose Lohn- und Gehaltezahlung umngestellt, was zur rasanten Zunahme an Privatkonten führte. Bis dahin wurde bar ausgezahlt, sei es in den Firmen, oder über Postboten bei den Pensionen. Der steile Anstieg zeichnete sich auch bei den Transaktionen ab, so wurde in den darauffolgenden Jahren der Zahlungsverkehr national, aber auch international auf moderne Beine gestellt. Die Basis dazu waren Normierungsvereinbarungen. Auch hier war die EDV eine große Hilfe zur Umsetzung genormter Formate und zur Transaktionsabwicklung großer Mengen.

Damals war Programmierung noch ein „Lehrberuf“

Computer bedienen und programmieren, Software entwerfen, also die Anforderungen zu analysieren und Abläufe zu überlegen, waren in den 60-er und auch noch lange danach keine Ausbildungsberufe, die man in einer Schule lernen konnte. Alle Firmen, die EDV-Personal benötigten, sorgten für die schrittweise Ausbildung der Personen über externe Kursveranstaltungen, hauptsächlich bei den Computerherstellern. „Learning by doing“ war angesagt! Es entstanden neue Berufsbilder, die aber nach und nach auch Eingang in spezielle Fachschulen fanden. Heute ist die IT-Ausbildung eine normale und gute Option, um zum Beispiel eine Schuloberstufe zu absolvieren, oder man spezialisiert sich auf die IT bei einem Wirtschaftsstudium. Meine persönliche Erfahrung gehört noch zur Pionierphase der EDV, als  die Ausbildung in Kurzseminaren bei einem Computerlieferanten gemacht wurde. Die vortragenden ExpertInnen gaben dort ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen an uns weiter und wir versuchten die praktische Anwendung in der eigenen Firma.

Nicht jeder war in der Lage, gute Programmabläufe zu entwerfen und die nötigen Programme zu schreiben. Analytisches, strukturiertes Denken und eine räumliche, sowie kreative Vorstellungskraft waren die Grundvoraussetzungen. Ob dies jemand mitbringt, wurde über psychologische Eignungstests festgestellt. Ich habe mich nach meinem Schulabschluss für Kunststofftechnik interessiert und war in Wien für den zweijährigen Maturalehrgang am TGM angemeldet. Dann kam ein Zeitungsartikel, der mein Interesse an der EDV geweckt hat und ein positiv absolvierter Eignungstest in Wien dazwischen. Über mehrere Zufallsereignisse, denen ich aus verschiedenen Gründen sehr dankbar bin, kam es 1967 zu einem Informationsgespräch mit dem Geschäftsführer der STUSA, Erwin Standl, der mir die „Keimzelle“ zur Sparkassenautomation vorstellte und um meine Mitarbeit warb. Ich sagte zu und habe es nie bereuen müssen, ganz im Gegenteil. Ich habe eine höchst spannende und abwechslungsreiche Aufbauphase zwischen 1967 und 2012 erleben dürfen; zwischen Lochkarte und Internet, zwischen Kernspeicher und Cloud-Computing.

SPARDAT – Sparkassen Datendienst Ges.m.b.H (1969)

Aus der Keimzelle und der kleinen Pflanze STUSA sollte etwas Besonderes entwachsen. Dafür sorgte nach einer Anlauffrist von zwei Jahren die Girozentrale mit dem damaligen – ebenfalls sehr jungen – Vorstands­direktor Dr.Josef Taus. Die Girozentrale war im Sparkassensektor als Clearinginstitut und Dienstleister für alle kleinen, mittleren und großen Sparkassen tätig. Dies war eine gute Position dafür um die Idee der Buchungsgemeinschaften zu verbreiten. Zur Gründung von dezentralen Rechenzentren und deren Betrieb, sowie für den Aufbau eines großen und stetig wachsenden Personalstabs, war die Etablierung einer kommerziell tätigen Gesellschaft nötig und so wurde die SPARDAT eine 100 % – Tochter der Girozentrale.

Die erste Bewährungsprobe war die Inbetriebnahme des Rechenzentrums Linz mit der Allgemeinen Sparkasse als erstem Nutzer. Viele Sparkassen aus Oberösterreich folgten dem Beispiel und gaben die rechentechnische Buchhaltung außer Haus. Dies war die Ära der „Kurierkoffer“, weil die Daten per Lochstreifen erfasst in einem speziell ausgestatteten Transportkoffer per Bahn angeliefert wurden und die gedruckten Unterlagen per Koffer zurückgeliefert wurden. Um den Sparkassen bei den Umstellungsarbeiten zu helfen, sie vorzubereiten, zu schulen etc. wurden schon ab 1969 eigene Teams regional tätig. Darin habe ich auch mein neues und hoch interessantes Betätigungsfeld als „Berater“ gefunden. Ich konnte meine zuvor erworbenen Organisationserfahrung auf diesem Gebiet gut einbringen. Zusätzlich war es notwendig, Kenntnisse für Buchhaltung, Zahlungsverkehr und Kontoführung zu erwerben. Letztendlich habe ich in meinem Berufsleben immer etwas Neues dazulernen können, was stets eine Bereicherung war.

Die STUSA-Phase war damit zu Ende und der Verein wurde im Hauptverband auf Eis gelegt. Etliche Jahre später wurde die STUSA wiederbelebt und mit Hans Ambros ein umtriebiger Geschäftsführer gefunden. Er verstand sich darauf, dem Sektor zu vermitteln, wo der Weg, insbesondere in den Vertriebswegen, hingehen könnte. Dazu gab es anschauliche Beispiele im Ausland, die er studierte und Ableitungen für  Österreich machte. Die Kundenselbstbedienung und die Chiptechnologie waren Schwerpunkte seines Interesses. Das Bargeldrecycling der heutigen Ein-/Auszahlungsautomaten ist seiner Initiative und Beharrlichkeit geschuldet. Und genau hier, in der Umsetzung des Selbstbedienungsservice im Sektor habe ich seit den 90-er-Jahren den Schwerpunkt meiner Tätigkeiten und meinen beruflichen Abschluss im Rahmen der sIT-Solutions gefunden.